taz, Die Tageszeitung, 07.10.2005

Toben, entdecken, ausprobieren
von Veronika de Haas

Ferienabenteuer im Kindermuseum: In Berlin gibt es gleich mehrere Häuser, die mit ausgefeilten Konzepten die Lust der Kinder am Lernen wecken. Überall können die kleinen Leute auf eigene Faust auf Entdeckungsreise gehen: zum Beispiel beim Papierschöpfen und beim Kopieren großer Maler.

In Bullerbü ist es gerade menschenleer. Die Murmelbahn aus Baumästen liegt verlassen im Garten. Die meisten Kinder toben auf Efraim Langstrumpfs Hoppetosse, angeln Fische, halten durchs Fernrohr Ausschau nach Piraten oder lassen sich erklären, wie man Seemannsknoten macht. Andere springen mit wildem Geschrei vom Dach von Michels Schuppen. Es ist ziemlich laut im Astrid-Lindgren-Land. Aber Krach machen ist hier erlaubt. Denn im Kindermuseum Labyrinth, in dem sich Schiff und Schuppen befinden, sind Kinder Könige.

Das Königreich liegt im Norden der Stadt, im Wedding, untergebracht in einer ehemaligen Montagehalle für Zündholzmaschinen an der Osloer Straße. Vor acht Jahren öffnete es seine Pforten und zieht seither jährlich mehr als 100.000 Gäste an. Zurzeit fordert das Kindermuseum "Labyrinth" in seiner aktuellen Ausstellung "Volles Recht auf Spunk und Spiel". Das Thema kommt so gut an, dass die Ausstellung bis März verlängert wurde. Aber was genau ist eigentlich das Kindermuseum?

Es ist ein Ort, an dem kindgerechtes Lernen groß geschrieben wird. In interaktiven Ausstellungen wird Wissen spielerisch vermittelt: "Kinder sollen Dinge Selbermachen, dabei Zusammenhänge begreifen und Lösungen finden. Sie sollen aus sich selbst heraus lernen und Dinge ausprobieren", erklärt Geschäftsführerin Roswitha von der Goltz.

So konnten die Kleinen in der letzten Ausstellung "Unterwegs nach Tutmirgut" auf einem Essensparcours lernen, wozu gesunde Ernährung gut ist, oder in "Pumpolonien" erfahren, weshalb Bewegung, aber auch Ruhe wichtig sind, und dass Toben auch sein muss.

Die Ausstellungen sind für Kinder von 3 bis 12 Jahren konzipiert. Hier arbeiten etwa 40 Mitarbeiter als Feste, Freiwillige, Ehrenamtliche, Honorarkräfte oder Praktikanten; die meisten sind Pädagogen. Das Personal wird für jede Ausstellung geschult und in das Konzept der einzelnen Stationen eingewiesen.

Was für von der Goltz besonders zählt, sind die unterschiedlichen Zugänge zu den Themen. Jedes Kind, ob Mädchen oder Junge, temperamentvoll oder zurückhaltend, still oder aufbrausend, soll sein eigenes Lernprogramm zusammenstellen können. So können in der aktuellen Ausstellung Kinder entweder in Lönneberga lärmen, sich in Ronjas Räuberhöhle zu den Hörspielen verziehen oder an der "kindgerechten Stadt" mitbasteln.

Die Themen des Kindermuseums drehen sich immer um die gesundheitliche Entwicklung und die soziale Bildung von Kindern. Während das Spielerische in den Ausstellungen dabei immer als Vermittlungsmethode dient, steht es derzeit auch thematisch ganz im Vordergrund. Das "Recht auf Spunk und Spiel" ist eine ernst gemeinte Forderung der Ausstellungsmacher. Die UN-Kinderkonvention und die Geschichten der schwedischen Kinderbuchautorin und Kämpferin für Kinderrechte Astrid Lindgren standen Pate bei der Konzeption. Die verspielte Fantasiewelt der Kinder wird in der Ausstellung präsentiert als Raum, der hierzulande zu wenig Schutz erfährt. "Kinder müssen einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft haben. Sie sollen ihre Phantasie voll ausleben dürfen", erklärt Museumssprecher Nikola Mirza.

Weil die Angelegenheiten der Kinder von Erwachsenen geregelt werden, hat sich das Kindermuseum inzwischen auch auf diese konzentriert: "Eltern müssen mit einbezogen werden, denn sie bestimmen das Spielangebot für die Kinder und sind deren Modelle", sagt von der Goltz. Darum veranstaltet das Labyrinth ausstellungsbegleitende Fortbildungsprogramme für Eltern und Pädagogen, in denen Methoden und Ansätze des Museums vermittelt werden. Außerdem gibt es Fachtagungen, zu Themen wie Kindergesundheit oder Mobbing unter Kindern.

Das Kindermuseum ist somit inzwischen viel mehr als nur Museum: "Wir verstehen uns als Bildungseinrichtung", erklärt die Geschäftsführerin. So geht das Team für Projektwochen auch in Schulen und Kindertagestätten. Kofferversionen der Ausstellungen werden verliehen. Einmal pro Woche dürfen Kinder aus dem Kiez kostenlos in die Ausstellung, wo sich Pädagogen um sie kümmern - und Pippi, Michel und deren Freunde.

Kindermuseum Labyrinth, Osloer Straße 14, Ferienöffnungszeiten: Mo.-Fr. 9-18, Sa. 13-18, So. 11-18 Kinder 3,30 Erwachsene 3,80, Familienkarte 9,90 Euro. www.kindermuseum-labyrinth.de

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