Neues Deutschland, 29.09.06

Werte kindgerecht vermitteln – aber wie?
Das Labyrinth Kindermuseum gibt Anregungen zum Umgang mit Ethik und Religion in Kita und Schule

von Anna Wolkenhauer

Nicht erst seit der Diskussion um Religionsunterricht oder der jüngsten Rede von Bundespräsident Horst Köhler stellt sich für Pädagogen die Frage, welche Werte Kindern auf welche Weise in der Schule vermittelt werden sollten. Antworten auf diese Frage versuchte vor wenigen Tagen eine vom Labyrinth Kindermuseum Berlin organisierte Tagung zu geben.

Das Labyrinth Kindermuseum Berlin leistet seit neun Jahren durch Ausstellungen, Tagungen und Projekte einen Beitrag zur kulturellen Bildung von Kindern, Eltern und Lehrern. In der aktuellen Ausstellung »Und woran glaubst du?« wird Kindern auf lebhafte Weise die Vielfalt an Religionen vermittelt. Parallel dazu zeigte Barbara Huber-Rudolf von der christlich-islamischen Begegnung-Dokumentationsstelle CIBEDO, einer Gruppe von 120 Lehrern und Erziehern, wie mit Religion und Ethik an Schulen und in Kitas umgegangen werden kann.

Zunächst einmal sollte eine Kita oder Schule entsprechend ihrer Lage die »konzeptionelle Entscheidung treffen, ob sie ihre Einrichtung neutral, konfessionell oder interreligiös gestalten will«, sagte Huber-Rudolf. Danach könne man sich zum Beispiel überlegen, ob man einen Kalender der Weltreligionen anlegen und die Riten und Feste der verschieden gläubigen Kinder mit einbeziehen wolle. Auch ein Repertoire an kulturspezifischen Spielen, Liedern oder Tänzen kann bei Kindern die Neugier für einen anderen Glauben wecken. Auf jeden Fall sei es wichtig, Vorurteilen durch Aufklärung vorzubeugen, meinte die Katholikin von der christlich-islamischen Begegnungsstätte und fügte hinzu, dass »Respekt, Wertschätzung und freundschaftlicher Geist im Umgang mit Anhängern anderer Religionen« Voraussetzung für ein erfolgreiches Miteinander seien.

Wer sich für ein weniger konfessionell geprägtes Konzept entscheidet, könnte den von Anhängern verschiedenster Religionen entwickelten »Weltethos« als Fundament für seine Einrichtung wählen. Das von dem Tübinger Theologen Hans Küng initiierte Projekt macht sich zur Aufgabe, die Gemeinsamkeiten der Weltreligionen zu sammeln und mit ihnen einen Wertekonsens zu entwickeln, der konfessionsübergreifend Gültigkeit hat. Hier stehen Humanität, Gemeinschaftlichkeit und Verantwortung im Vordergrund – Werte, die Kindern auf verschiedene Weisen vermittelt werden können, ohne das Denken in eine bestimmte Glaubensrichtung zu lenken. Martin Bauschke, Leiter des Berliner Büros der »Stiftung Weltethos«, entwickelte hierfür das Konzept »World Café«, bei dem Schüler in kleinen Gruppen über bestimmte ethische Fragen diskutieren, sich gegenseitig ihre Prioritäten vorstellen und sich am Ende auf einen Wertekanon einigen. Bauschke unterstreicht, dass bei dieser Methode erfahrungsgemäß »das kollektive Bewusstsein wächst und Möglichkeiten zum Handeln auftauchen«.

Dialogfähigkeit ist auch nach Barbara Huber-Rudolf von wesentlicher Bedeutung. Gespräche würden schließlich außer im Unterricht auch dann notwendig, wenn es um die Auseinandersetzung mit Eltern geht. Zum Beispiel bei einer muslimischen Elternschaft und daraus entstehenden Konfliktsituationen wie gemeinsamen Grillfesten oder Schwimmunterricht, komme es darauf an, zu kooperieren und Kompromisse zwischen verschiedenen religiösen Vorstellungen zu finden. Da Kindern vor allem auf subtile Weise Werte vermittelt würden, also dadurch, wie erwachsene Vorbilder sich verhalten, sei eine eigene angemessene Einstellung ganz elementar, um zu Respekt und Achtung anderer Lebensweisen erziehen zu können.

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