Unbezahlbare Momente

Unsere Mitarbeiterin Sandra Mezzalira Gomes sorgt immer für Sonnenschein im Kindermuseum. Als Schichtleiterin hat sie in den vergangenen Ausstellung „Ganz weit weg – und doch so nah“ (17.8.2012 – 30.3.2014) viel erlebt und erzählt auf LABlog ihre berührendsten Geschichten. 



Eins ist sicher, wenn man im Labyrinth Kindermuseum arbeitet: Man erlebt unbezahlbare Momente. Die neue Ausstellung ist für mich die fünfte in diesem Team. Ich habe hier als Geburtstags-Animatorin angefangen. Dann habe ich die Hallenbetreuung und Kasse gelernt. Seit fast vier Jahren mache ich auch oft die Schichtleitung.



Die Einführung bei „Ganz weit weg – und doch so nah“ war besonderes amüsant: den Kindern zu zeigen, wie gemischt unsere Mannschaft ist (Mitarbeiter aus Italien, Brasilien, Libanon, Türkei, Afrika, Japan, Südkorea, Griechenland, Spanien, Mexiko, Luxemburg, Kroatien, England, Frankreich usw.), und wie sie dann oft neugierig reagiert haben, und dass unser Akzent fast einen extra „Charme“ hatte, das war schon besonders. 



Vor allem zu erreichen, dass die Kinder unser Konzept verstanden haben und mit uns um die Welt gereist sind, sich für die anderen Kulturen interessiert haben und noch selber spielten, dass sie gerade nach Asien oder Amerika verreist waren, dass sie eine Prinzessin aus der Mongolei oder ein Kaiser aus China waren, dass sie – durch Spielen, die Fahnen, die Sprache, die Häuser, die Kleidung – Traditionen von anderen Ländern kennenlernen konnten, war einfach fantastisch. 



Ich, die in São Paulo geboren bin, habe noch viele Sache aus Brasilien spendiert: Klamotten, Taschen, Produkte für unseren internationalen Markt und verschiedene Objekte für unsere Spiel-Küche … es war unbeschreiblich, das Gefühl, als die Kinder mit diesen Sachen gespielt haben. Sehr lustig war es mit ein paar Plastikflaschen von Fußball-Mannschaften aus Brasilien, die die Kinder in verschiedener Art kreativ benutzt haben. Besonders die eine, die mein Papa dem Museum geschenkt hat, von seiner Mannschaft aus Rio Grande do Sul, der „Internacional“, wurde oft als „Tomaten Sauce“ benutzt, weil sie rot war … und wenn mein Neffe, der vier Jahre alt ist, bei uns war, hat er immer gesagt: „Schau mal, Opas Flasche!“



In einer Multikulti-Stadt wie Berlin war es sehr interessant zu beobachten, wie gemischt unser Publikum ist. Im Laufe der Ausstellung habe ich mittlerweile „Danke“ in mehr als 12 Sprachen gelernt und oft zum Schluss ein „Sprachen-Rate-Spiel“ gemacht. Da konnte man dann sehen, dass fast alle 12 Sprachen erkannt wurden und oft noch mehrere dazukamen. 



Es gab zum Beispiel einen Sonntag, an dem zwei Geburtstagskinder bei uns waren. Beim Abschlussspiel haben wir angefangen „Happy Birthday“ zu singen. Erst auf Deutsch, dann Englisch, dann habe ich auf Portugiesisch, eine Kollegin auf Italienisch, die andere auf Japanisch gesungen … der Moment war “ansteckend”, ein kleines Mädchen hat sich Mut genommen und allein auf Französisch gesungen, eine Familie auf Türkisch, ein Papa und seine Tochter auf Griechisch … In allen Sprachen war es die gleiche Melodie. Dann kam der Kollege aus Afrika und hat eine extra „Show“ gegeben … in einer einzigartigen Melodie, mit Klatschen und im Kreis laufen, das „Afrikanische Geburtstagslied“ war fast ein Ritual und hat uns alle verzaubert. Ich hatte einen Kloß im Hals und musste gegen die Tränen kämpfen, es war eine sehr emotionale Situation, erlebt zusammen mit so vielen verschiedenen Menschen, die aber an dem Tag das gleiche Ziel hatten: den beiden Geburtstagskindern zu gratulieren …



Ich werde auch nie die Lehrerin aus der Mongolei vergessen. Sie stand mit Tränen in den Augen vor unserem „Knochenspiel“: „Ich kann es nicht fassen, dass ich, mitten in Berlin, ein Stück meiner Kindheit wiedererleben kann.“ Sie erzählte, als Kind hätte ihre Oma die Ziege geschlachtet, damit sie was zum Essen hatten. Dann hat sie die Knochen gewaschen und bunt bemalt. „Diese Knochen waren meine Legosteine.“



Oder ein 5-jähriger Junge, der sich sofort gefreut hat, als er die Jurte sah. „Wow, eine echte Jurte.“ Ich habe ihn angesprochen und er sagte, er wurde als Baby adoptiert und nach Deutschland gebracht. Sein deutscher Papa hat ihm aber immer sehr viel über die Mongolei erzählt und ihm Bilder gezeigt, damit er seine Heimat besser kennen kann. „Ich habe aber nie eine Jurte in echt gesehen, vielen Dank dafür! Irgendwann werde ich dahin fliegen, aber heute kann ich spielen, dass ich schon meine Familie dort besuche!“



Es gab einen Tag in unserem Sommerprogramm, da kam ein Mädchen mit Behinderung, die oft zu uns mit ihrem Rollstuhl kommt. Ja, sie hat ihren Spaß, aber oft merkt man, wie sie ein bisschen traurig die anderen Kinder beobachtet. An dem Tag aber konnten die Kinder in unserem Hof probieren, mit Surfbrett, Rollerbrett und Rollstühlen zu laufen. Zwei sehr sportliche Mädchen hatten mit Schwierigkeiten versucht, einen Wettbewerb mit den Rollstühlen zu machen. Da kam dann sie und hat an diesem Tag alle Wettbewerbe klar gewonnen. Es war unbeschreiblich, wie ihre Augen geleuchtet haben. 



Vor Kurzem haben mich zwei Erwachsene angesprochen, weil sie mehr über die neue Ausstellung wissen wollten. Plötzlich hat der Mann mich erkannt: „Sie haben vor zwei Jahren die Geburtstagsparty von unserer Tochter animiert!“ Als ich das Kind sah, ein adoptiertes Mädchen aus Haiti, konnte ich mich an die Party erinnern: Es war ein wunderbarer Geburtstag mit gemischten Gästen, die zur Hälfte auch adoptierte Kinder aus Haiti waren, liebevoll gemacht. Der Papa konnte mir sogar die Fotos zeigen, die immer noch auf seinem Handy gespeichert waren und auf denen ich auch drauf war, und er hat sich nochmal für das unvergessliche Erlebnis bedankt.



Es sind so viele tolle Situationen, dass es schade wäre, wenn man sie nicht teilen könnte. Schön, dass es diesen Blog gibt!



Ich freue mich auf die neue Ausstellung „Platz da! Kinder machen Stadt“ und die neuen „unbezahlbaren Geschichten“.

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